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Automatische Live-Übersetzung im Test

  • Autorenbild: Nadine Hegmanns
    Nadine Hegmanns
  • 5. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

KI-Tools können durchaus hilfreich sein und uns im Beruf unterstützen. Vieles ist schon möglich, manches allerdings nicht – gerade das KI-Dolmetschen ist nicht so ausgereift und zuverlässig, wie einem das Internet glauben machen will. Wir haben die AI-Sprachübersetzung mit der Smartphone-App LiveVoice auf der Best of Events getestet. Auffallend war (wie übrigens auch bei anderen automatisierten Speech-to-Speech Übersetzungstools), dass die KI keinen

natürlichen Redefluss hat.

Insbesondere bei Interviews mit mehr als einer Person tut sich die KI schwer. Während menschliche Dolmetscherinnen und Dolmetscher das Gesagte simultan (also fast zeitgleich) in eine andere Sprache übertragen, muss die KI zunächst das Gesprochene transkribieren und schriftlich übersetzen, bevor dann dieser Text von einer KI-Stimme zu hören ist. Dieser Prozess braucht seine Zeit braucht, und so kommt es zu Verzögerung (der Fachbegriff hierfür lautet Latenz) von bis zu vier Sätzen im Vergleich zum Original. Und das kann den Gesprächsfluss massiv beeinträchtigen: Einschübe von Gesprächsteilnehmenden oder Unterbrechungen im Vortrag führen bei der KI zu Satzabbrüchen und falschen Bezügen -- Defizite, die die KI mit einem beschleunigten Redefluss dann wieder einzuholen und auszugleichen versucht. Auch kann KI keine emotionalen Nuancen in gesprochener Rede widerspiegeln: Ironie, Sprachwitz, Gefühle wie Freude, Verzweiflung, Empörung… all das geht verloren und sorgt unter Umständen für Missverständnisse und Verwirrung bei Publikum und Gesprächspartnern.


Interessanterweise ist die Fähigkeit, die Stimmung in einem Raum oder auf der Bühne „lesen“ zu können etwas, worauf ich oft bei meinen Dolmetscheinsätzen angesprochen wurde. Immer wieder wundern sich Teilnehmende darüber, warum auch ich in der Kabine hinten im Raum „wie wild gestikulierte“ und mit dem Vortrag „so richtig mitgehe“, obwohl man mich ja eigentlich gar nicht sieht! Aber genau das ist es! Wir sitzen nicht stocksteif vor dem Mikrofon und rattern einen Text herunter. Oft setzen wir unsere Hände und Arme ein, um einer Aussage Nachdruck zu verleihen. Manchmal stehen wir sogar auf, wenn die Rede auf der Bühne sehr mitreißend ist oder wir unserer Stimme mehr Kraft verleihen wollen. Wir variieren bewusst Tonlage, Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit, um zu unterstreichen, was gesagt wird und auch nonverbale Signale mit einzubeziehen. Und das ist authentische Kommunikation. Das kommt an.

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