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  • AutorenbildNadine Hegmanns

PFA: EIN GEDANKLICHER AUSFLUG

Aktualisiert: 11. März

Irgendwann kommt der Tag, an dem man tatsächlich, nach allem Abwiegen der Vor- und Nachteile, der örtlichen Begebenheiten und der Dolmetschanforderungen, mit PFA (Personenführungsanlage, von manchen auch liebevoll „Pefa“ oder „Flüsterkoffer“ genannt) dolmetscht. Das wird von uns Konferenzdolmetscherinnen und -dolmetschern eher als unangenehm empfunden, denn statt mit Kopfhörern in einer schallgedämpften Kabine zu sitzen, steht man mitten im Geschehen (oft auch mitten in der Gruppe aus Menschen, für die es zu dolmetschen gilt). Manchmal sind PFAs aber auch ausgesprochen praktisch. Für eine Werksführung zum Beispiel.

Was also tun, wenn eine solche Anfrage ins Haus flattert? Zunächst einmal sollte man seine private Checkliste durchgehen: Bei Führungen durch Wald und Flur empfiehlt sich (rutsch)festes Schuhwerk, eine Regenjacke mit Kapuze (Achtung: Regengefahr!) und ggf. ein Rucksack, um die Arme für Notizblock (bei Zahlenkolonnen) und/oder Mikrofon freizuhaben und gleichzeitig über Single Trails und moosbedeckte Holzbrücken balancieren zu können. Bei Werksführungen wird die persönliche Schutzausrüstung (Sicherheitsschuhe, Schutzhelm, Schutzbrille etc.) i. d. R. vom Kunden gestellt.

 

Die PFA

Und dann bittet man das Technikunternehmen seines Vertrauens, eine PFA zur Verfügung zu stellen. Und da steht sie dann, die Anlage: Ein Koffer von einem halben Meter Höhe und Breite (für diejenigen, die mich nicht in Persona kennen: das ist gut ein Drittel meiner Körpergröße, was beim Tragen zu gelegentlichem Schrappen über den Asphalt führen kann). Rund 15 Kilo wiegt der Koffer für 20 Empfänger (welchen Anteil meines Körpergewichts das einnimmt, möchte ich an dieser Stelle unerwähnt lassen). Und damit soll man nun „mobil“ des Weges gehen und „en passant“ die Führung dolmetschen... Ich muss sagen, begeistert war ich nicht wirklich, als ich das erste Mal das Monstrum von Flüsterkoffer in meinen Wagen hievte. Das muss doch auch anders gehen, dachte ich mir. Und es geht.

 

Die Lösung

Vor meinem letzten Dolmetscheinsatz hatte ich noch ein wenig Zeit und ich machte die Probe aufs Exempel, um meine zart reifende Idee zu einer Alternative des Koffers zu untermauern. Ich machte mir die Mühe und holte meine verstaubte Waage aus dem Bad hervor. „Pefa“ mag sich luftig-leicht anhören, aber allein der Koffer ohne Empfänger und Kopfhörer bringt stolze 9,5 Kilo auf die Waage. Sicherlich ist das auf die eingebaute Ladestation zurückzuführen. Empfänger, Kopfhörer und Handmikro wiegen gerade einmal lächerliche 4 kg. „Die kann ich stemmen“, dachte ich mir mit Blick auf meine dünnen Oberärmchen. Aufgeladen waren die Empfänger ja bereits, und für eine 2-stündige Führung, sagte mir das Technikunternehmen, würden die Akkus locker halten. Also ließ ich den Ladekoffer für meinen Einsatz zuhause. Die Empfänger inklusive Ersatzakkus allerdings verstaute ich sicher in einem Rucksack, und siehe da: So gleichmäßig auf den Schultern verteilt, trägt sich die PFA gleich viel bequemer. Außerdem hatte ich die Hände frei für meinen Notizblock, das Handmikro sowie gelegentliches Händeschütteln der Teilnehmenden und Veranstaltungsorganisation.

 

Bevor ein PFA-Unternehmen unter der Leserschaft nun empört aufspringt: Ich gebe zu, dass ein gängiger Freizeitrucksack nicht die ideale Behausung für Empfänger und Kopfhörer ist. Mein Exemplar verfügte zwar über separate Fächer, in denen ich die PFA getrennt transportieren konnte, um Beschädigungen zu vermeiden. Nach meinem Einsatz allerdings spann ich meine Idee weiter: Ich hatte einmal von einem Fall gehört, in dem die Technikfirma einer befreundeten Kollegin die PFA in einem gepolsterten Fotorucksack anlieferte. Wo sonst äußerst empfindliche Objektive und Filter verstaut werden, konnten hier die Empfänger und filigranen Kopfhörer untergebracht werden. Das Handmikro wird ja bereits von Vornherein in einer Schutzhülle angeliefert. Mit einem Anschaffungspreis ab 30 € bis 120 € inkl. Laptopfach wäre dies vielleicht eine Alternative für Technikfirmen, um ihre Dolmetschkunden glücklich zu machen (an dieser Stelle ist das imaginäre Bild eines Zaunpfahls durchaus beabsichtigt.)

Wer jedoch häufiger PFA-Einsätze hat und nicht so lange warten möchte, könnte vielleicht selbst diese Investition tätigen. Die dezent in Schwarz gehaltenen Fototaschen würden sich sicherlich auch sehr gut mit eigenem oder Verbandslogo machen! Und schon schweben mir viele weitere Bilder vors geistige Auge: das florale Oilily-Design für die nächste Führung in freier Natur, die dezent-klassische Schultertasche aus Leder für die Besichtigung der Fertigungsstraße, das robuste Schweizer Unikat aus „gefahrener“ LKW-Plane für den Besuch in der Schweißerei, der praktische Outdoor-Rucksack mit Trinkblase für die nächste Bustour ...!

 

Tipps für Veranstalter

Wenn ein Unternehmen eine PFA-Verdolmetschung für seine Veranstaltung anbietet, sollten die Empfänger unbedingt gegen ein Pfand herausgeben werden. Schnell geht es unter, dass man sein geliehenes Gerät noch zurückgeben wollte, und ein Ersatz ist mit rund 150 € pro Stück teuer. Auch empfiehlt es sich, für die Ausgabe bzw. Rückgabe eine zuständige Person einzusetzen, denn weder die Veranstaltungsorganisation noch wir haben neben dem Dolmetschen die Zeit, verspätete Gäste zu versorgen. Mein Extra-Tipp: Häufig wissen die Gäste einer Veranstaltung gar nicht, dass man ihnen etwas Gutes tun will und eine Verdolmetschung anbietet. Stellen Sie einfach neben der Empfänger-Ausgabe ein Schild auf: „Translation available“.

 

 

 

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