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Zu Besuch im CAI-Campus

  • Autorenbild: Nadine Hegmanns
    Nadine Hegmanns
  • 2. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Am vergangenen Wochenende durfte ich zusammen mit fast 40 Dolmetscherinnen und Dolmetschern des VKD-Nachwuchsprogramms im CAI-Campus am Institut für Translation und Mehrsprachige Kommunikation (ITMK) an der TH Köln besuchen.


CAI steht für Computer-Assisted Interpreting, und wir hatten die Möglichkeit, genau das zu testen: Tools, die uns beim Simultandolmetschen unterstützen und effizienter machen sollen.



Zu den Tools zählten:


  • Cymo Note aus China

  • InterpretBank aus Deutschland und

  • SightTerp aus der Türkei


Besonders spannend für mich: Der CAI-Campus befindet sich im Dolmetschlabor meiner Alma Mater.  Das Setup ist noch genau dasselbe wie vor 20 Jahren. Doch wo wir früher noch Leerkassetten einlegen und den „Record“-Knopf runterdrücken mussten, sind die Dolmetschkabinen jetzt mit PCs ausgestattet. Außerdem ist das Labor mittlerweile klimatisiert (großes Plus an einem Tag mit 36 Grad Außentemperatur!).


Angeleitet von Prof. Dr. Anja Rütten mit Unterstützung durch Nele Kirstein und Magdalena Lindner-Juhnke testeten wir die CAI-Tools auf Herz und Nieren und luden unsere Screen-Recordings zur Nachbearbeitung zuhause in die private Cloud.


Unsere Fragestellungen sowohl auf Mentoren- als auch Menteeseite dabei waren unter anderem:


  • Kann die KI mich in Echtzeit beim Simultandolmetschen unterstützen?

  • Wie oft schlägt die KI falsche Terminologie oder Fachbegriffe vor?

  • Wird das Simultandolmetschen durch die zusätzliche Komponente des Live-Promptings anstrengender?


Während wir unterschiedliche Reden dolmetschten, lieferten die verschiedenen Tools ein auf Spracherkennung basierendes Transkript in die Kabine und hoben (je nach Anbieter) Namen, Orte und Terminologie farbig bzw. in einem separaten Fenster in Listenform hervor. Dabei sprang jedoch oft das Layout und lenkte ab, das Transkript selbst war in sich inkohärent oder Sätze endeten an falschen Stellen. Oft klebte man zu sehr auf der Satzebene, ohne überhaupt dem Inhalt zuzuhören. Und ganz ehrlich: ausgeschriebene Zahlen wie 50000000 sind so ad hoc beim Simultandolmetschen einfach schwer zu lesen!


All das kostet Kapazitäten, und man kam schnell aus dem Konzept, verlor den Anschluss, und vielen von uns fiel erst nach Minuten auf, dass im Raum ja auch noch eine Präsentation gezeigt wurde! Vor allem aber die Latenz des Transkripts im Vergleich zur Originalrede war oft hoch, d. h. wir mussten auf die Vorschläge der KI warten, weil wir schneller als die Maschine waren.


Zum Schluss durften 8 von uns VKD-Seniors unter kontrollierten Versuchsbedingungen eine 25-minütige englische Rede ins Deutsche dolmetschen und währenddessen das CAI-Tools Cymo Note auf seine Praxistauglichkeit testen. Die Ergebnisse fließen in die akademische Forschung mit ein.


Mein Fazit?

Auch wenn die Tools in ein paar Jahren ausgereifter sein sollten, werden sie uns Dolmetscherinnen und Dolmetscher nicht vollständig ersetzen können. Die KI liefert nur ein Transkript. Sie interpretiert nicht. Sie nutzt statistische Wahrscheinlichkeiten und berät, aber sie entscheidet nicht. Letzten Endes muss der Mensch die Entscheidung treffen, was wie gesagt wird.


Denn im Vergleich zur KI verfügt der Mensch über kulturelles Wissen, Lebenserfahrung, den fachlichen Hintergrund, ein moralisches Wertesystem und Selbstreflektion. Eine menschliche Dolmetscherin hinterfragt unstimmige Aussagen, übernimmt Verantwortung für das, was sie sagt, und ist somit vertrauenswürdiger als eine Maschine, bei der sich alles nur auf kognitiver Ebene abspielt. Kontext, Urteilsvermögen und ein Verständnis für die weiterreichenden Auswirkungen sind Dinge, über die die KI nicht verfügt.


Mittlerweile drängen KI-Systeme auf den Markt, die versprechen, dank Automatic Speech Recognition (ASR) und Voice-Cloning eine vermeintlich vertrauenswürdige „Verdolmetschung“ zu liefern. Eine Überprüfung auf Vollständigkeit, Plausibilität, inhaltliche Kohärenz oder Korrektheit erfolgt jedoch nicht!


Und deshalb bin ich überzeugt: das Dolmetschen ist und bleibt eine Domäne menschlicher Kompetenz, und ob uns CAI-Tools einmal wirklich eine Hilfe in der Kabine sein können, bleibt abzuwarten.

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